Destillation von Lavendel

Mai 04, 2019

Destillation von Lavendel

Ätherisches Öl gilt für die Seele der Pflanze, ihre Essenz und überströmt unseren Körper und Geist, wenn wir mit ihm in Kontakt kommen. Und die Destillation ist der Zeitpunkt, zu dem dieses ätherische Öl gewonnen wird. Der Prozess selbst ist auf den ersten Blick ziemlich einfach, allerding enthüllt ein detaillierterer Einblick viele versteckte Details.

Das ätherische Lavendelöl entsteht in winzigen kugelförmigen Drüsen, die sich im Inneren der Blüten befinden. Eine kleine Menge an unreifem Öl kann auch in anderen Teilen der Pflanze gefunden werden, dennoch findet man die Mehrheit des ätherischen Öls in den Blüten. Wenn die Blüte ausreift, reift auch das ätherische Öl. Falls die Lavendelblüten vorzeitig destilliert werden, enthält dieses ätherische Öl mehr "grüne" Noten.

Das ätherische Lavendelöl wird durch die Wasserdampfdestillation von Lavendel-blüten und -stängeln gewonnen, wenn etwa die Hälfte der Blüten aufblüht (5. und 6. Reifegrad). Der Stängel sollte von 6 bis 10 cm lang sein. Die Stängel verhindern, dass die Pflanzen im Hals des Destillierkolbens nicht zu fest und dicht aneinander liegen, so dass der Dampf schön gleichmäßig durch die Pflanzen durchgehen kann. Traditioneller Weise und auf kleinen Plantagen wird Lavendel von Hand mit einer Sichel geerntet. Die Pflanzen werden dann in Bündel gebunden und auf die Pflanzen gelegt. Auf diese Art und Weise verwelken die Blüten leicht und werden weicher. Dadurch gelangt der Dampf während der Destillation leichter in die Blüten. Wenn die Ernte beendet ist, werden die Bündel zum Destillierkolben gebracht und destilliert.

Auf größeren Lavendelplantagen erfolgt die Ernte mechanisch, wo der Mähdrescher bereits vor Ort das Fass füllt, das eigentlich schon Teil der Destillieranlage ist. Während der Ernte beschädigt die Maschine die Blüten so, dass das Fass fest verschlossen sein muss, damit das ätherische Öl nicht verdampft bzw. dass dieses nicht dem Tageslicht ausgesetzt wird. Deshalb muss der Kontakt zwischen dem Tageslicht und dem aromatischen Material unbedingt verhindert werden. Die maschinelle Ernte erfolgt später als die manuelle, da bei der maschinellen Ernte die Blüten nicht auf dem Feld direkt verwelken und somit nicht weicher werden.

Die Kraft des Dampfes

Das Material im Dampfzustand enthält viel mehr Energie als das Material im flüssigen Zustand. Um Flüssigkeiten in Dampf umzuwandeln, muss Wärme zugeführt werden. Wasserdampf enthält viel mehr Energie als Wasser im flüssigen oder festen Zustand. Wenn wir flüssiges Wasser in Dampf umwandeln wollen, müssen wir dem Wasser Energie in Form von Wärme zuführen. Die Wärmemenge, die erforderlich ist, um eine bestimmte Menge an Flüssigkeit in Dampf umzuwandeln, ohne dabei die Dampftemperatur selbst zu verändern, ist die latente Verdampfungswärme. Wenn wir die gleiche Dampfmenge wieder in den flüssigen Zustand umwandeln wollen, müssen wir den Dampf-Molekülen ihre Energie wegnehmen. Dies geschieht durch Kühlung.

Jede Flüssigkeit stößt ständig Dämpfe von ihrer Oberfläche aus. Wenn die Flüssigkeit in einem eng umschlossenen Raum aufgefangen würde, würde der Dampf im Raum den Druck erhöhen, der mit dem Temperaturanstieg ansteigen würde. Der Dampfdruck wird durch das Ansteigen der Temperatur erhöht, jedoch nur bis zum Ausgleich des Drucks mit dem Luftdruck. Zusätzliche Wärmezufuhr verursacht zusätzliche Dampferzeugung. Dann beginnt die Flüssigkeit zu sieden, und die Temperatur, bei der das Sieden auftritt, ist der tatsächliche Siedepunkt, der vom Druck abhängt.

Der Destillierapparat funktioniert unter dem tatsächlichen Luftdruck der Atmosphäre (atmosphärischer Druck) der auf Meereshöhe 0m 760 mmHg beträgt. Linalylacetat, einer der Hauptbestandteile von ätherischen Ölen, erzeugt bei 99,6°C einen Dampfdruck von 12 mmHg und Wasser erzeugt bei derselben Temperatur 748 mmHg Dampfdruck. Somit erzeugt die Mischung aus Wasser und Linalylacetat bei 99,6°C 760 mmHg und erreicht bei dieser Temperatur den Siedepunkt. Linalylacetat alleine siedet bei 220°C und neigt zur Zersetzung. In Anwesenheit von Dampf geht es jedoch in den Dampfzustand über, bei einer Temperatur knapp unter dem Siedepunkt des Wassers.

Die Dampfdestillation zur Herstellung ätherischer Öle basiert auf der Verschmelzung von Öl und Wasser bei einer Temperatur nahe dem Siedepunkt von Wasser. Mit dem zusätzlichen Dampfdruck des ätherischen Öls selbst ist der Dampfdruck der Mischung gleich dem Luftdruck.

Wärmeübertragung vom Dampf aufs ätherische Öl

Zu Beginn des Prozesses platzen die aromatischen Drüsen in den Lavendelblüten in Anwesenheit von Wasserdampf auf. Auf der Oberfläche der Blüten bilden sich kleine Flicken des homogenen und kühlen ätherischen Öls. Am Rande befindet sich jedoch eine Grenzfläche, wo sich das Wasser mit dem ätherischen Öl vermischen kann. Der Wasserdampf wird auf der Oberfläche der Blüten verflüssigt und die Wärme wird an das nahe gelegene ätherische Öl abgegeben, damit dieses verdunsten kann. Beim Verdampfen nimmt das Wasser Energie in Form von Wärme an, und bei der Verflüssigung gibt das Wasser Wärme ab.

Wasserdampf wird niemals direkt auf der Oberfläche des ätherischen Öls verflüssigt, da sich Wasser und Öl schlecht miteinander mischen. Dies kann nur auf der Grenzfläche selbst geschehen. Hier kommen Öl und Wasser zusammen und verdampfen das ätherische Öl. Trotzdem ist die Geschwindigkeit des Verdampfens außerordentlich langsam.

Falls die Oberfläche der Blüten von aromatischen Pflanzen saugfähig oder behaart ist, wie dies z.B. der Fall bei der Lavendelblüte ist, reagieren das Öl und das Wasser aufeinander mithilfe der Kapillaraktivität des Wassers. Dies erweitert immens den Bereich, wo Dampf kondensieren und seine Energie an das ätherische Öl abgeben kann, damit dieses verdampfen kann. Erst jetzt wird die Geschwindigkeit des Verdampfens von ätherischem Öl erheblich erhöht.

Es ist daher mehr als offensichtlich, dass während der Wasserdampfdestillation eine ausreichende Menge an Wasserdampf erzeugt werden muss, damit die Wärmezufuhr durch das in dem aromatischen Material enthaltene ätherische Öl im Destillationskolben selbst schnell erhitzt werden kann. Zugleich muss aber auch darauf Acht gegeben werden, dass nicht zu viel Wasser zugeführt wird, weil dadurch das aromatische Material zu nass sein wird und die Kapillaraktivität des Wassers verhindert wird.

Prozess der Destillation von ätherischen Ölen

Der Destillierkolben zur Destillation von ätherischen Ölen besteht aus den folgenden Teilen:

Die handelsüblichen Destillierkolben haben einen Dampferzeuger, der dem Destillationsbehälter, in dem sich das aromatische Material befindet, Dampf zuführt. Zu diesem Zweck verfügen kleine Destillierkolben für den Hausgebrauch über einen Kessel, in den Wasser gegossen wird, das während des Siedens Dampf ausstößt. Dieser Dampf strömt dann durch das aromatische Material und erhitzt das ätherische Öl in den Blüten, damit dieses verdampft.

  1. Füllen Sie den Kessel bis zu 2/3 mit Wasser.
  2. Stopfen Sie dann das aromatische Material eng aneinander in den Schwanenhals und den Helm des Destillierkolbens. Es darf keine leeren Stellen im Helm und im Schwanenhals des Destillierkolbens geben, da in diesem Fall eine Inversion auftreten könnte. Der Dampf mit dem ätherischen Öl würde sich in einer kühleren leeren Stelle verflüssigen. In diesem Fall würde das ätherische Öl in den Kessel fließen, wo es bei hohen Temperaturen vernichtet würde.
  3. Alle Teile des Destillierkolbens müssen miteinander verbunden und versiegelt werden. Dies kann mit einer Paste aus Roggenmehl und Wasser oder mit einem Silikonband erfolgen. Schließen Sie dann das obere Rohr des Kühlbehälters an die Auslassstelle und das untere Rohr an die Kaltwasserquelle. Der Kühlbehälter muss auch mit Wasser gefüllt werden.
  4. Beginnen Sie dann mit der Destillation, indem Sie Wasser erwärmen. Das Ziel ist es, so schnell wie möglich genug Dampf zu gewinnen. Wenn das Wasser siedet, stellen Sie sicher, dass die Temperatur im Helm des Destillierkolbens zwischen 95 und 100 ° C liegt.
  5. Der Dampf muss sehr intensiv abgekühlt werden. Die Flüssigkeit, eine Mischung aus Hydrolat und ätherischem Öl, sollte am Auslass des Kühlbehälters mindestens 45 ° C betragen. Bei dieser Temperatur wird das ätherische Öl schnell vom Hydrolat getrennt. Das ätherische Lavendelöl ist leichter als Wasser und sammelt sich daher an der Wasseroberfläche an. Bei kleineren Destillierkolben wird ätherisches Öl mithilfe eines Trenntrichters vom Hydrolat getrennt, und bei den industriellen Geräten mithilfe eines Abscheiders. Dazu wird die Flüssigkeit aus dem Destillierkolben in den Scheidetrichter gegossen. Warten Sie dann ab, dass sich das Hydrolat von der Flüssigkeit trennt. Lassen Sie dann das Hydrolat langsam mithilfe des Ventils ab, so dass nur das ätherische Öl im Trichter verbleibt. Trotzdem können nicht alle Hydrolate auf diese Weise getrennt werden. Der einfachste Weg zur Trennung ist das Einfrieren des ätherischen Öls. Dabei müssen wir uns bewusst sein, dass die Qualität des ätherischen Öls sinkt! Falls noch Wasser im ätherischen Öl vorhanden ist, entfernen Sie es, sodass das wasserfreie Natriumsulfat mehrere Tage mit ätherischem Öl vermischt wird. Die Mischung sollte von Zeit zu Zeit gut geschüttelt werden, damit sich das wasserfreie Natriumsulfat an die wässrigen Moleküle bindet. Warten Sie dann ab, bis sich das Natriumsulfat auf den Boden absetzt und lassen Sie das ätherische Öl ab.

Wenn Sie immer noch nicht sicher sind, ob Sie das gesamte Wasser aus dem ätherischen Öl entfernt haben, können Sie dies durch Mischen von 5 ml Chloroform mit 1 ml ätherischem Lavendelöl überprüfen. Wenn die Mischung klar bleibt, enthält das ätherische Öl kein Wasser, und wenn sie milchig wird, enthält diese noch Wasser.

Bewahren Sie das ätherische Öl in einem dunklen und kühlen Raum auf. Die Flaschen müssen voll sein, da die Luft in ihnen die Oxidation des ätherischen Öls beschleunigt.

Die Vielfalt der Lavendelsorten mit ätherischen Ölen

Die Qualität, der Geruch und die Menge des durch die Destillation gewonnenen ätherischen Öls hängen von den verschiedenen Lavendelsorten ab. Unten finden Sie einige häufig vorkommende Sorten und deren Beitrag. Die Angaben dienen nur zur Information, da die Menge an ätherischem Öl von einer Vielzahl von Faktoren abhängt.

L. x angustifolia kg/Pflanze ml EO/5kg Material ml EO/Pflanze
Folgate 1,6kg 34 10,9
Wyckoff 0,8 39 6,7
Royal Purple 1,0 20 4,0
Martha Roderick 0,9 31 5,5
Royal Velvet 1,1 23 5,1
Maillette 0,5 47 5,3
Lavandini
Super 0,6 64 8,6
Provence 1,1 34 7,8
Grosso 1,6 91 30,9
Old English 0,8 41 6,5

 

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